Weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt scheint der Umstand, dass in Gaza auch acht deutsche Staatsbürger in der Haft der Hamas festsitzen. Ihnen galt heute unser Gedenken. Zu allen haben wir eine kurze Geschichte verlesen.
Viele Menschen sind stehen geblieben und haben zugehört.
Es geht nicht ohne Pöbelei: ein Mann rannte direkt in die Arme der Polizei, die heute erfreulicherweise von Anfang bis Ende unserer Mahnwache anwesend war, nachdem er uns lauthals als Kindermörder beschimpft hatte. Anzeige konnte aufgrund der Anwesenheit der Polizei direkt gestellt werden.
Wir werden weitermachen, jeden Dienstag die Namen der Geiseln verlesen, bis alle Geiseln frei und zu Hause sind.
Insgesamt 170 Personen waren in Köln im Jahr 2024 von antisemitischen Vorfällen direkt betroffen. Die Fachstelle gegen Antisemitismus im NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln und die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (RIAS) haben nun ihren Jahresbericht vorgelegt.
Gedenken an Judy und Gad Weinstein - die 71. Mahnwache
„ Freiheit für die Geiseln!“
Das fordern wir seit nunmehr 72 Wochen bei unseren Mahnwachen in Bergisch Gladbach. Immer wieder, so auch bei der gestrigen Mahnwache, werden wir von Passanten angeblafft, die stattdessen „ Freiheit für Palästina“ fordern.
Wir werden nicht müde, immer wieder aufs Neue zu erklären, dass wir den „Palästinensern“ selbstverständlich ein ebenso freies und selbstbestimmtes Leben wünschen, wie es die Israelis seit 1948 leben.
„Freiheit für Palästina“ jedoch bedeutet im Klartext, die Zerstörung des Staates Israels und die Auslöschung aller Juden und Jüdinnen weltweit. Zu weiteren Gesprächen sind die Passanten, so auch gestern, selbstverständlich nicht bereit.
Noch immer befinden sich 59 Geiseln in der Hand der Hamas. Man geht davon aus, dass 24 von ihnen noch leben.
Bei der 70. Mahnwache haben wir einer Geisel aus dem Kibbuz Nir Oz gedacht: Matan Zangauker
Der 24-jährige Matan Zangauker ist am 7. Oktober 2023 von den Terroristen aus seinem Haus im Kibbuz verschleppt worden. Es gibt ein Lebenszeichen von ihm, seine Mutter Einav kämpft wie eine Löwin um seine und die Befreiung aller Geiseln. In den nächsten Wochen werden wir die Geiseln aus Nir Oz (14 werden noch festgehalten) besonders hervorheben.
Bei einer Veranstaltung an der Universität zu Köln im April diesen Jahres gab es massive antisemitische Propaganda. Die Opfer des 7. Oktober wurden verhöhnt, die Symbole verbotener Organisationen gezeigt.
14 Organisationen, darunter die beiden israelsolidarischen Vereine in Bergisch Gladbach, haben sich in einem offenen Brief an die Universität zu Köln gewandt, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.
Der vollständige Brief steht hier zum Download bereit.
Auch heute erinnerten wir an die Menschen, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt wurden und dort seitdem gefangen gehalten werden. Wir riefen den Vorübergehenden außerdem die Ermordeten des Massakers auf dem Nova-Festival in Erinnerung.
Erfreulicherweise erhielten wir wohlwollende Reaktionen interessierter Passanten. Ein zufällig vorbeikommender Repräsentant der Stadt Bergisch Gladbach hingegen war sichtlich bemüht, uns nicht zu sehen und reagierte auch nicht auf unsere persönliche Ansprache.
Heute, am „Tag des Zorns“, ausgerufen von diversen Organisationen weltweit, die die Hamas für eine Befreiungsorganisation halten, haben wir unter anderem an Dorin erinnert. Eine junge Frau, die auf der Flucht vor den Terroristen am 7. Oktober 2023 auf dem Nova Festivalgelände von Terroristen kaltblütig ermordet wurde. Sie wollte einfach nur tanzen! Sie wollte leben! Es gibt einen Bezug zu Bergisch Gladbach, denn sie lebte mit ihrer Familie in der Partnerstadt Israels, in Ganey Tikva.
Heute gab es nur ein paar Stinkefinger und Kopfschütteln von Menschen, die augenscheinlich nicht auf der Seite der Demokraten, der Freiheit und der Liebe zum Leben stehen.
Wir werden auch weiterhin jeden Dienstag die Namen der Geiseln verlesen, bis alle befreit und zu Hause sind.