Israeltag in Bergisch Gladbach zum 76. Geburtstag des Staates Israel

„Schämen Sie sich eigentlich nicht?“

Zum 76. Geburtstag des Staates Israel haben wir wie in den vergangenen Jahren auch einen Israeltag in Bergisch Gladbach begangen: An unserem Stand am Freitag, 17.5.24 vor dem LöwenCenter stellten wir viele Informationen von der Botschaft, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Honestly Concerned etc. zur Verfügung. Israelische Musik, israelische Datteln, köstliche Lemonana und selbstgebackener Kuchen sorgten für gute Stimmung – auch wenn es nicht so ungezwungen zuging wie in den vergangenen Jahren. Wir freuen uns über 80.- € Spenden für den Nir Oz Verein, der direkt den Bewohnern des Kibbuz zu Gute kommt.

Überraschend viele Menschen suchten das Gespräch, einige hatten auch einfach Fragen und wollten wissen, wie es den Menschen in Israel geht im Moment. 

Die Polizei war über unseren Stand informiert und wie immer zur Stelle. Es gab zwei üble Zwischenfälle, die natürlich bereits an die RIAS Meldestelle kommuniziert wurden: Eine junge Frau, die mit ihrer Mutter am Stand vorbeiging fragte mich, ob ich mich nicht schämte, für ein Land Flagge zu zeigen, dass – und das wisse sie von ihrem libanesischen Ehemann – tausende Kinder abschlachtet. Im zweiten Fall kam ein junger Mann auf einem Fahrrad vorbei, hielt an und sagte: „Walla, Hitler war ein großer Mann – er hat aus euch Seife gemacht.“

Ein sachliches Gespräch war in beiden Fällen – wie gewohnt – nicht möglich.

Zum Abschluss des Israeltages sangen wir gemeinsam mit Bella Lieberman die israelische Nationalhymne, die Hatikva. 

Nein, wir schämen uns nicht – ganz im Gegenteil. Wir sind an Israels Seite und weiter auch weiterhin jeden Dienstag eine Mahnwache abhalten und die Namen der Geiseln verlesen – bis alle befreit und zu Hause sind. 

Eine Mahnwache und ein zweifelhaftes Jubiläum

Wenn man etwas zum 25zigsten Mal macht, ist das normalerweise ein Grund zur Freude.

Die 25. Bergisch Gladbacher Mahnwache lieferte keinen entsprechenden Anlass.

Denn in Gaza sitzen immer noch 130 Menschen in Geiselhaft, die am 7. Oktober entführt wurden.

Und wieder hat es sich gezeigt, dass das Gedenken an israelische Opfer mehr Störer auf den Plan ruft als Unterstützer.

Umso wichtiger ist es, die Mahnwachen fortzusetzen. Haben wir diesmal neben den üblichen antisemitischen Beleidigungen doch auch eine schöne Erfahrung gemacht, als ein älterer Herr unserem zweiten Vorsitzenden einen Geldschein in die Hand gedrückt hat, um unsere Arbeit zu unterstützen.

#BringThemHomeNow

Eine friedliche 24. Mahnwache

Die 24. Mahnwache verlief überraschend ruhig. Keine Pöbeleien, ein Passant spendete uns sogar Beifall.

Eine junge Frau ging vorbei und rief uns auf Hebräisch zu „Vielen Dank, dass ihr da seid!“

Heute, am 7. Mai, also genau sieben Monate nach dem Massaker sind es nur noch 132 Geiseln, die sich noch immer in der Hand der Terrororganisation befinden.

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Mahnwache Nummer 23 – schönes Bergisches Wetter und ein paar offene Fragen

Während der Nahe Osten brennt, die IDF in Gaza nach den Geiseln sucht, in Israel die Preise für tägliche Bedarfsgüter ins Absurde steigen und die Unis in den USA täglich mit wütenden Protesten von Hamasanhängern fertig werden müssen, stehen wir immer noch jeden Dienstag auf dem Trotzenburgplatz und erinnern an das Schicksal der seit 207 Tagen (Stand 30. April) gefangen gehaltenen Geiseln in Gaza. Wir tun das, weil wir nicht mehr machen können. Aber das, was wir tun können, tun wir auch. Denn wenn wir es nicht machen, macht es keiner.


Uns geht es um die Geiseln. Um 133 Frauen, Kinder und Männer. Wir demonstrieren nicht für die Regierung Netanjahu, nicht gegen die Menschen in Gaza, die unter der Hamas leiden, wir äußern uns nicht zur Siedlungspolitik auf der Westbank oder anderen Fragen. Umso mehr verwundert uns die blinde Wut, die uns entgegenschlägt, insbesondere aus Teilen (!) der muslimischen Community. Der Anblick des Davidsterns im Lande der Shoa muss für manche Zeitgenossen unerträglich zu sein. Es kommen die absurdesten Aussagen: die Berichte vom 7. Oktober seien Fakenews, die IDF begehe in Gaza einen Völkermord usw.. Manche bleiben stehen und grinsen breit, wenn wir die Namen von entführten Kindern vorlesen. Und unsere jüdischen Freundinnen und Freunde haben wieder Angst. In Europa. In Deutschland. In Bergisch Gladbach. Im Jahr 2024.

Was passiert da? Mitten in Europa, zumal in einer Stadt, von der ein ehemaliger Spitzenpolitiker einst behauptet hat, den Antisemitismus hierorts müsse man mit dem Nano-Mikroskop suchen.

Nein, ein Mikroskop brauchen wir hier wirklich nicht mehr, um zu sehen, was geschieht. Es genügt ein Besuch auf dem Trotzenburgplatz, jeden Dienstag um 18:00 Uhr.

Vielen Dank an die Polizei für den umsichtigen Schutz, den wir jeden Dienstag erhalten. Ohne diesen ginge es nicht.

#BringThemHomeNow

Die 2000jährige Adaptionsgeschichte judenfeindlicher Weltbilder – Vortrag und moderiertes Gespräch mit Dr. Marc Neugröschel am 25.04.2024

Bei seinem Vortrag zeigt der Antisemitismusforscher und Holocaustpädagoge Dr. Marc Neugröschel, wie judenfeindliche Vorstellungsmuster aus der Spätantike die Zeit der Aufklärung überdauerten und zur Grundlage moderner antisemitischer und antiisraelischer Zerrbilder wurden. Dabei wird deutlich, dass oberflächlich unterschiedliche Ausdrucksformen von Judenfeindlichkeit, wie sie sich in verschiedenen politischen und kulturellen Milieus, von extrem rechts bis extrem links und von christlich bis islamisch herausbildeten, einen gemeinsamen weltanschaulichen Kern haben.


Der stellvertretende Vorsitzende des Ganey-Tikva-Vereins Bergisch Gladbach, Axel Bolte moderiert und greift gern Ihre Fragen auf. Es wird gebeten, sich anzumelden, siehe hierzu das folgenden Dokument.