Vielleicht ist es dem schlechten Wetter geschuldet. Die 41. Mahnwache für die Geiseln, die am 7. Oktober 20024 nach Gaza verschleppt wurden, verlief ruhig.
Bald ist der erste Jahrestag des Massakers und es sind noch 101 Menschen in der Hand der Hamas.
Heute wurden wir von drei kleinen Jungs, zwischen acht und zehn Jahren beschimpft. „Israel ist Scheiße“ bis zu „Free Palestine“. Das ist eines der großen Probleme für die Zukunft. Kinder und Jugendliche, die zu Hause lernen und hören, dass Israel und die Juden ihre Feinde sind.
Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die kaum zu bewältigen sein wird. Wir werden uns nicht beirren lassen und so lange jeden Dienstag unsere Mahnwache abhalten und die Namen der noch immer 101 Geiseln verlesen und ihre Geschichten erzählen. Heute haben wir Bezug genommen auf den ersten Bericht der IDF zur Bergung der sechs Leichen von vor 14 Tagen. Unfassbare Grausamkeiten sind ans Licht Gekommen. Schwer zu ertragen, dass kleine Jungs auf den Straßen einer deutschen Stadt getriggert werden durch eine Israelfahne.
Heute, am Tag 340 nach dem Massaker, haben wir bei der Mahnwache besonders an Eviatar David gedacht, der am 7. Oktober vom Festivalgelände des Nova-Festivals verschleppt wurde. Um 6:30 Uhr, bei Einsätzen des Luftalarms, hatte er sich in sein Auto gesetzt und wollte das Festivalgelände verlassen. Er kam nicht weit, wurde von den Terroristen aus dem Auto gezogen und verschleppt. Die Terroristen veröffentlichten später ein Video, auf dem er deutlich zu erkennen ist. Das Entsetzen und die Angst in seinen Augen sind sehr deutlich sichtbar.
Auch heute wurden wir erneut belästigt, ein junger Mann spuckt deutlich vor uns aus im Vorbeigehen, ein zweiter zeigte uns den Stinkefinger, übersah einen Aufsteller eines der Geschäfte und stolperte. Eine makaber komische Situation. Heute gesellte sich ein junger Mann aus dem Iran zu uns, solidarisiert sich mit unserem Anliegen.
Zum Abschluss der heutigen Mahnwache haben wir alle zusammen die Hatikva gesungen.
Bei der heutigen Mahnwache gab es einen Stinkefinger, zweimal “free Palestine” und einen Mitarbeiter der Bäckereikette am Trotzenburgplatz, der mehrfach vor uns ausgespuckt hat
Save the Date: Montag, 3. Februar 2025 um 19:00 Uhr im Vortragssaal der VHS Bergisch Gladbach
Der Hass auf den jüdischen Staat - Motive des israelbezogenen Antisemitismus von PD Dr. Ingo Elbe
Nicht erst seit der beispiellosen Welle des weltweiten Hasses auf den jüdischen Staat nach dem antisemitischen Massenmord der Hamas vom 7. Oktober 2023 ist klar: Der israelbezogene Antisemitismus ist heute die vorherrschende Form des Judenhasses und kann als strömungsübergreifende Ideologie der radikalen Rechten, der postkolonialen Linken, des Islamismus und erheblicher Teile der sogenannten Mitte der Gesellschaft verstanden werden. Traditionelle Motive der Judenfeindschaft werden hier auf den jüdischen Staat übertragen. Israel wird damit zum „Juden unter den Staaten“. Der Vortrag untersucht die propagandistischen Strategien dieses Antisemitismus: De-Realisierung antisemitischer Gewalt und Agitation, Dämonisierung und Delegitimierung Israels sowie doppelte Standards in der Bewertung der Akteure des arabisch-israelischen Konflikts.
Eine weitere befreite Geisel, Bühnenstars und strahlende Sonne: Es gab viele Glanzpunkte auf dem diesjährigen Israeltag in Köln. Im Vordergrund stand dabei klar der Wunsch, alle Entführten nach Hause zu holen und die zerstörten Orte wieder mit Leben zu füllen.
Engagement für Israel hat viele Gesichter
Sie hatten tatkräftige Hilfe in dem zerstörten Kibbuz Nir Oz geleistet und waren gerade erst von ihrem Einsatz in Israel zurückgekehrt: Petra Hemming und Roman Salyutov berichteten am Israeltag auf der Bühne am Rathenauplatz, was ihre Gruppe Freiwilliger in dem kleinen Grenzort zu Gaza erlebte: Die Aktiven reinigten Zufahrten, schnitten Sträucher zurück und brachten Gemeindeflächen in Ordnung. „Wenn man für einen Moment die verbrannten Häuser und das Massaker ausblendet, kann man erahnen, was für ein wunderbarer Ort Nir Oz einmal war“, sagte Petra Hemming, Vorsitzende des Ganey-Tikva-Vereins Bergisch Gladbach.
Der 7. Oktober: eine lange Spur des Grauens
Das gefundene Söckchen der jüngsten Geisel, Baby Kfir Bibas, das kleine Fahrrad seines Bruders Ariel, die mit rot (entführt) und schwarz (ermordet) markierten Briefkästen – dies sei jedes Mal „ein Schlag in den Magen“ gewesen. Und gerade deshalb sei gelebte Solidarität so wertvoll, ergänzte Roman Salyutov vom Vorstand des Solidaritätsvereins Nir Oz – Bergisch Gladbach. Die Benefizkonzerte des Konzertpianisten und Dirigenten bringen seit vielen Monaten erfolgreich Spenden ein, in erster Linie für die Waisen in Nir Oz. Roman Salyutov appellierte: „Es lohnt sich, noch mehr zu tun, das heißt: hinzufahren und mit eigenen Händen aktiv zu werden!“ Der nächste Einsatz ist bereits für Dezember geplant.