Weltweite Unterstützung für unsere Schwesterverein Solidaritätspartnerschaft Bergisch Gladbach - Nir Oz e. V.

Bericht der 7. Volontärsreise nach Nir Oz 29.4.-14.5.26

Und wieder machten sich Volontäre aus Deutschland auf den Weg nach Nir Oz, um vor Ort beim Wiederaufbau des Ortes zu unterstützen. Deutlich kann man die Veränderung in kleinen Schritte erkennen, die ein Stück Normalität in die Gemeinde zurückbringen. 

Der kleine Supermarkt, der am 7. Oktober völlig zerstört wurde, wurde zusammen mit der Wäscherei wieder eröffnet. Die Überlebenden des 7. Oktober können nun wieder Lebensmittel und Dinge des täglichen Lebens kaufen, ohne den Kibbuz verlassen zu müssen.

Die Arbeit der Volontäre ist weiterhin geprägt von Gartenarbeiten, da die großen Flächen und langen Alleen intensive Pflege brauchen. 

Die Menschen, die dies vor dem 7. Oktober verantwortet hatten, sind entweder von Terroristen ermordet worden oder sind immer noch evakuiert. 

Viele der am 7. Oktober vollständig zerstörten Häuser sind mittlerweile abgerissen, bis auf einige wenige. Die Familien der Ermordeten tun sich schwer, diese Entscheidung für einen Abriss der Häuser zu treffen. 

Auf der anderen Seite sind viele neue Häuser gebaut worden, moderne und sehr ansprechende Häuser in drei Größen, für Paare, Einzelpersonen und Familien mit Kindern.

Bald werden weitere Evakuierte, die bisher in Carmei Gat leben, nach Nir Oz zurückkehren und auch die jungen Leute der zionistischen Organisation Shomer Haza’ir werden im Kibbuz bleiben, Familien gründen und daran mitarbeiten, dass der Ort wieder ein kleines Paradies wird. 

Die Diskussion über den Umgang mit dem 7. Oktober in der Gemeinschaft ist noch nicht abgeschlossen, die Wunden sind sehr, sehr tief.

Viele der Überlebenden treffen wir mittags beim gemeinsamen Essen und alle wissen genau, wer wir sind. Immer wieder bedankt man sich bei uns für unsere Arbeit, am meisten jedoch nennt man die Menschlichkeit und die Solidarität, die Israel und die Menschen, die vom 7. Oktober direkt betroffen sind, sehr schätzen.

Wir haben an Orten wie dem botanischen Garten, dem Friedhof und dem Gemüsegarten gearbeitet, drei zentrale und für das Kibbuzleben wichtige Orte. Auch in der Küche, wo täglich Essen für viele Menschen bereitgestellt wird, war unsere Hilfe sehr gerne gesehen.

Viele Anhängerladungen von Rindenmulch haben wir auf den Bewässerungsschläuchen im ganzen Kibbuz verteilt, die den Schakalen, die nachts durch das Kibbuz streifen als Wasserquelle dienen. 

Zwei Tage lang konnten wir mit renommierten Kakteenexperten im Garten von Oded Lifschitz arbeiten. Die Einzigartigkeit dieses Kakteengartens ist weltweit anerkannt. Hinterbliebene von Oded Lifschitz, der lebend verschleppt und in Geiselhaft ermordet wurde, haben uns anschließend eingeladen, gemeinsam auf Oded Lifschitz in seinem Garten anzustoßen, der Anfang Mai seinen Geburtstag gefeiert hätte.

An den Wochenenden haben wir Ausflüge gemacht nach Jerusalem, Tel Aviv, Ashkelon, haben das Nova Festivalgelände und dass Mahnmal für die Späherinnen ebenso besucht wie den Grenzübergang nach Ägypten und natürlich den Löwen von Nir Oz, der genau zwischen Magen und Nir Oz steht und stolz in Richtung Gaza blickt. Wir waren auch zu Gast im Gemeindezentrum des Landkreises Neve Eshkol, wo alle Bewohner der Region einen zentralen Anlaufpunkt haben für kulturelle Veranstaltungen, psychologische und physische Betreuung und wo eine Vielzahl von Weiterbildungsmaßnahmen angeboten wird.

Gadi Moses, der 482 Tage in der Hand der Hamas Terroristen überlebt hat, hat es sich nicht nehmen lassen, uns am ersten und auch am letzten Abend zu sich nach Hause einzuladen. Sehr offen spricht er über seine Zeit als Geisel und darüber, dass er nicht aufgegeben hat. Der 82-jährige betont immer wieder, dass man eine Lösung mit und für die Nachbarn finden muss, damit ein Leben in unmittelbarer Nachbarschaft des Gazastreifen möglich ist.

Unser Freund Arye Shalicar hat uns als Gruppe getroffen und uns Mut gemacht, weiterzumachen, weiter Hoffnung zu geben durch unsere Solidarität und Unterstützung aus Deutschland.

Auch Oliver Vrancovic hat uns in Nir Oz besucht. Oliver lebt seit fast 20 Jahren in Israel und ist zudem der Vorsitzende der DIG Stuttgart und empfängt regelmäßig Besucher aus Deutschland.

Am Flughafen von Tel Aviv trafen wir im Wartebereich auf Uwe Becker, den Beauftragten für jüdisches Leben und Antisemitismus des Landes Hessen, sowohl auf Rawan Osman, eine sehr bekannte israelsolidarische Aktivistin, die in den sozialen Medien sehr präsent ist. Nach einem kurzen Gespräch hat sie einem Foto mit der Gruppe zugestimmt und einige Tage später einen sehr wohlwollenden Artikel über uns veröffentlicht, der viele 1000 mal gelesen wurde.

https://www.facebook.com/share/p/1BB7tSGyrQ/?mibextid=wwXIfr

Der Rückflug nach Frankfurt mit ELAL war für uns ein weiteres Highlight: jemand hatte der Crew im Flieger mitgeteilt, wer wir sind und es wurde uns gedankt für unseren Einsatz, wir bekamen Schokolade geschenkt und wurden zu Getränken eingeladen!

Das ARD Studio Tel Aviv hat uns einen Besuch abgestattet und einen Beitrag für den Rundfunk erstellt:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/vom-tatort-zum-erinnerungsort-deutsche-helfer-im-kibbuz-nir-oz-102.html

Auch die renommierte Times of Israel berichtet über unsere Aktivitäten:

https://blogs.timesofisrael.com/solidarity-in-action-germans-rebuilding-an-israeli-kibbutz/

Ich persönlich bedanke mich bei jedem einzelnen Volontär für die Unterstützung, die Arbeit vor Ort und den Beitrag, den jeder Einzelne leistet, um den Überlebenden des 7. Oktober das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine sind und dass wir an ihrer Seite stehen.

Bericht: Petra Hemming