Gadi Moses, eine ehemalige Geisel der Hamas, berichtet - ein Abend voller Menschlichkeit

Am Abend des 5. November 2025 war der historische Ratssaal in Bergisch Gladbach so gut besucht, dass der hintere Teil geöffnet werden musste. So viele Menschen waren gekommen, um den Bericht des heute 81jährigen Gadi Moses über seine Zeit als Geisel der Hamas zu hören. Sie erlebten einen Menschen von außergewöhnlicher innerer Stärke. Begleitet wurde Gadi Moses von seiner Nichte Efrat Machikawa, die sich seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 unablässig für die Freilassung der Geiseln und die Rückführung der Ermordeten einsetzt.

Gadi Moses wurde am 7.10.2023, dem Tag des größten Massakers an Juden seit der Shoa, aus seiner Heimat, dem Kibbuz Nir Oz im Süden Israels, in den Gazastreifen verschleppt. Er hatte den Schutzraum seines Hauses verlassen, um zur Rettung seiner Familie und seiner Nachbarn mit den Terroristen zu verhandeln.

482 Tage verbrachte er in Gefangenschaft der Hamas in einem kleinen Raum, davon 120 Tage in vollständiger Isolation. Um bei Kräften zu bleiben, ging er stundenlang hin und her, 10 bis 12 Kilometer jeden Tag. Die Terroristen versuchten, seinen Willen zu brechen. Sie versuchten, ihn zum Übertritt zum Islam zu zwingen. Die Erkenntnis „Sie können nicht mehr, als mich töten“ half ihm, ihnen ohne Anzeichen von Angst entgegenzutreten. Er ließ nicht zu, dass sie ihn schlugen. Sie erzählten ihm, seine Frau sei am Leben. Später erfuhr er, dass sie bereits am 7. Oktober getötet worden war. Er entwickelte Strategien, um in der Isolation nicht den Verstand zu verlieren. So sang er immer wieder die Hatikva, die israelische Nationalhymne, die von Hoffnung spricht, der „Hoffnung, zweitausend Jahre alt, zu sein ein freies Volk in unserem Land.“

Doch Gadi Moses berichtete nicht nur von seiner Gefangenschaft. Seine innere Stärke führt er zurück auf seine deutsche Familiengeschichte. Seine Vorfahren stammten aus Schwalmstadt-Treysa in Nordhessen. Viele Familienangehörige wurden im Holocaust ermordet. Doch es ist auch eine Geschichte des Überlebens. Zu den Überlebenden gehörte sein Vater, den seine Eltern der Jewish Agency anvertrauen konnten und der so nach Israel gelangte. Seine Erziehung habe er von seiner Mutter, seine Wurzeln vom Vater, so Gadi Moses.

Bis zuletzt suchten die Terroristen der Hamas nach Wegen, ihn zu quälen. Am Tag vor seiner Befreiung führten sie ihn auf einen Friedhof vor ein offenes Grab. Schweigend standen sie neben ihm mit Maschinengewehren in den Händen. Er erwartete seine Ermordung und suchte Halt im Gedanken an seine Familie. Doch es blieb bei der Drohung. Am nächsten Tag wurde er durch eine aggressive,„Allahu akbar“ brüllende Menge geführt. Wieder war er sicher, ermordet zu werden. Selbst nach der Übergabe an das Rote Kreuz verließ ihn die Todesangst nur langsam. 

Als Gadi Moses geendet hatte, fragte eine Zuschauerin, ob er die Palästinenser nun hasse. Nein, das tue er nicht. Natürlich müssten die militanten Palästinenser besiegt werden. Hass jedoch führe zu nichts. Die Zukunft könne nur auf Menschlichkeit gründen.

Zum Abschluss dieses beeindruckenden Abends sangen Gadi Moses und Efrat Machikawa gemeinsam mit dem Publikum die Hatikva.

Am nächsten Morgen wurden Gadi, Efrat, Petra und Axel vom Landtagspräsidenten André Kuper sowie Minister Liminski und Vertretern der deutsch-israelischen Parlamentariergrupp des Landtags, unter anderem der Vorsitzenden, Frau Berivan Aymaz in Düsseldorf empfangen.

Dieser Link führt zum Bericht des Landtages zu diesem Treffen:

https://www.landtag.nrw.de/home/aktuelles/meldungen-und-berichte/meldungen-berichte-und-informati/meldungen-und-berichte/2025/11/gadi-moses.html?utm_source=chatgpt.com

Am letzten Abend des Besuches von Gadi in Bergisch Gladbach gab es ein Treffen in Köln mit Israelfreunden und Mitgliedern der Bergisch Gladbacher Vereine und der DIG Köln: Gadi Moses erzählte über den Weinbau im Kibbuz Nir Oz, der vor 17 Jahren begann. Vier der Mitbegründer des Kibbuz kümmerten sich um Anbau, Ernte und allem was dazu gehört. Drei der Pioniere wurden am 7.10.23 von den Terroristen ermordet, nur Gadi kehrte zurück und wird sich künftig gemeinsam mit den Kindern und Enkelkindern um den Wein in Nir Oz kümmern. Für den Abend in Köln hatte er Flaschen des Jahrgangs 2023 mitgebracht: die Trauben waren noch kurz vor dem 7.10. geerntet worden.